Das 35. Weltcupfinale der Dressurreiter*innen begann an diesem Donnerstag wie erwartet: Jessica von Bredow-Werndl stellte ihre Trakehnerin Dalera konzentriert vor, aber doch verhalten. Mit 84,793 Prozentpunkten ging der Sieg vollauf in Ordnung. Catherine Dufour befeuerte mit ihrem Vamos Amigos mit 80,019 Punkten die Hoffnungen ihrer dänischen Landsleute auf einen WM-Erfolg in Herning im August. Und Isabell Werth leitete den Abschied ihrer „Weihe“ vom großen Sport mit 79,756 Punkten ein. Der dritte Rang war kein Wunschergebnis, aber ein Fingerzeig auf das Finale.

„Ich verspüre keinen Druck, ich bin einfach froh, dass ich reiten kann und fühle mich super fit. Genauso fit fühlt sich Dalera an. Es ist fast ein bisschen schade, dass das hier mein letztes großes Turnier sein soll vor der Schwangerschaftspause. Während der Prüfung bin sich sehr fokussiert, aber Dalera macht es so einfach für mich, es auch zu genießen. Es fühlt sich an, als würde sie sich immer weiter verbessern. Ich freue mich sehr auf die Kür am Samstag.“ Kein Zweifel, Jessica von Bredow-Werndl steht vor dem Gewinn ihres ersten Weltcupfinales – wer sollte die zweifache Goldmedaillengewinnerin von Tokio daran hindern? Wie heißt es so schön in derlei Situationen: Sie kann sich nur selbst schlagen…

Catherine Dufour, die seit Jahren konsequent und professionell nach vorne reitet, sagte nach ihrem Auftakt in diesem Kurz-Grand-Prix: „Mein Pferd ist in einer sehr guten Form. Es ist für mich ein unbeschreibliches Gefühl hier in Leipzig – mein erster Start in einem Weltcupfinale. Das wichtigste für mich ist, dass mein Vamos sich wohl fühlt.“

Isabell Werth, die eine verhaltene, eher ruhige Runde zeigen wollte, ihre Stute noch nicht zum letzten Kraftakt fordern, sagte nach ihrem vorletzten Ritt auf Weihegold: „Ich bin sehr zufrieden. Wir hatten einen kleinen Fehler am Beginn der Einerwechsel. Aber meine Stute war absolut konzentriert. Ich freue mich sehr auf das Finale am Samstagabend. Und ich hoffe, dass uns eine fehlerfreie Kür gelingen wird.“ Kein Zweifel, wer Isabell Werth kennt, der weiß, dass sie in diesem Leipziger Kürfinale 2022 noch einmal alles abrufen wird, was sie mit Weihegold in den erfolgreichen Jahren seit 2015 so oft gezeigt haben. Kampflos wird sie Jessica von Bredow-Werndl und Catherine Dufour den Titel und die Silbermedaille keinesfalls überlassen.

Kurzer Blick auf die übrige Rangierung: Die Dänin Nanna Sandborg wurde Vierte auf Orthilia, was einmal mehr darauf hindeutet, was sich die Dänen für ihre Heim-WM im August vorgenommen haben. Rang fünf für ihre Landsfrau Carina Krüth auf Danciera unterstrich diesen Plan. Ich hänge mich hier mal weit aus dem Fenster: Die Dänen werden bei der Dressur-WM eine Medaille gewinnen und sich leicht und locker für Olympia in Paris 2024 qualifizieren. Nicht zu vergessen: Helen Langehanenberg wurde mit ihrer Annabelle sechste und zeigte einmal mehr, dass sie eine ausgebuffte Wettkampfreiterin ist, die immer das Maximum präsentieren möchte.

Schließlich noch dies: Charlotte Fry, für England im Sattel, allerdings in den Diensten des niederländischen Stalles von Anne van Osten, stellte ihren Dark Legend nicht ganz fehlerfrei vor, musste am Ende mit Platz acht vorlieb nehmen. Aber diese coole junge Frau kann mehr, sie wird in den kommenden Jahren auf dem internationalen Dressurgeläuf eine starke Rolle spielen, da bin ich mir ziemlich sicher.