Was unterscheidet die Profireiter von den Profiradfahrern? Ganz einfach: Beide streben dem Abgrund zu – die einem im Sattel ihrer Fahrräder, die anderen im Sattel ihrer Pferde.

Was da gestern, am letzten Tag des olympischen Reitturniers, aufgeflogen ist, das schockiert zurecht die Sportnation. Vier Jahre, nachdem die deutsche Equipe um Ludger Beerbaum die Goldmedaille verlor, weil sein Hengst „Goldfever“ mit einer verbotenen Salbe behandelt worden war, steht nun Christian Ahlmann am Pranger. Er hat seinem Cöster ein verbotenes Gel verabreicht, das eine Substanz aus dem Chilipfeffer enthält. Alles deutet darauf hin, das er ein Tierquäler ist, anders kann man den Einsatz dieses Mittels nicht deuten.

Die Katastrophe für den deutschen Reiterverband wird nicht dadurch gemildert, dass zwei weitere Profis, der in Deutschland lebende Ire Dennis Lynch und der Brasilianer Bernardo Alves, sowie der norwegische Amateur und Popstar Tony Andre Hansen, ebenfalls als überführt gelten.

Der internationale Springsport ist diskreditiert, ausgerechnet einer der deutschen Vorzeigereiter hängt mitten drin. Konnte man im Fall Goldfever vor vier Jahren noch von einer dummen Panne sprechen, diesmal steckt ein böser Vorsatz dahinter, denn bei Capsaicin handelt es sich nicht etwa um Niveacreme.

Die Folgen sind unausweichlich: Christian Ahlmann muss, so die B-Probe die A-Probe in den nächsten Tagen bestätigt, entsprechend hart bestraft werden. Die Verbände der Reiter, international wie national, müssen klar machen, dass sie solche Vergehen nicht dulden. Bundestrainer Kurt Gravemeier, der nun zum zweitenmal bei Olympischen Spielen ein solches Desaster in seinem Team erlebt, bleibt nur der Rücktritt von seinem Amt.

Gleiches gilt für den Teamtierarzt Björn Nolting, der glaubhaft versichert, von Ahlmanns Handeln nichts gewusst zu haben. Wie sollen Trainer, Ärzte und Betreuer die Verantwortung für ein Olympiateam tragen, wenn sie fürchten müssen, eiskalt hintergangen zu werden.

Das schlimmste aber ist: Die Opfer dieser Lumpereien sind die Pferde, ihren Reitern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Die Radfahrer schaden wenigstens nur sich selbst.